Equal pay day

Der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern ist ein ewiges Thema. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht. Frauen verdienen im Vergleich zu Männern im Jahr 2017 laut dem Statistischen Bundesamt immer noch 21 Prozent weniger (unbereinigter Gender Pay Gap). Eine Zahl, die seit Jahren unverändert ist. Auf die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern weist auch dieses Jahr wieder der Equal Pay Day hin, der am 18. März 2018 stattfindet. Dieser Tag markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen innerhalb eines Jahres unbezahlt arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit vergütet werden. Aktuell sind das 77 unbezahlte Tage im Jahr, was rechnerisch auf den 18. März fällt: Den Equal Pay Day.

Der diesjährige Equal Pay Day 2018 steht unter dem Motto „Transparenz gewinnt“ als Anspielung auf das Entgelttransparenzgesetz, das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. Das Gesetz ist gedacht als Schritt zu mehr Lohngerechtigkeit. Jeder soll damit das Recht haben zu erfragen, wie viel die Kollegen in der gleichen Position verdienen, um zu sehen, ob man für die gleiche Arbeit auch genauso viel Geld bekommt. Relevant ist das vor allem für Frauen, die signifikant schlechter bezahlt werden als männliche Kollegen. Die Idee ist gut, die Umsetzung leider weniger, da der Auskunftsanspruch unverhältnismäßigen Restriktionen unterliegt. Nur Frauen und Männer, die in einem Betrieb mit mindestens 200 Angestellten arbeiten, können das Gehalt ihrer Kollegen erfragen.

Hinzu kommt, dass zusätzlich mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts im Betrieb beschäftigt sein müssen, die einen gleichwertigen Job ausüben. Der Begriff „gleichwertiger Job“ ist jedoch schwammig und Auslegungssache. Arbeitgebern, die Mitarbeiterinnen bewusst benachteiligen wollen, werden damit vielfältige Möglichkeiten geboten, mit Hilfe fadenscheiniger Argumente eine ungleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit aufrecht zu erhalten. Das Entgelttransparenzgesetz wird wohl leider nur eine Veränderung auf dem Papier bleiben und praktisch nichts ändern.

Bereinigter und unbereinigter Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap zeigt den geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. Es gibt zwei verschiedene Berechnungsweisen: Den unbereinigten Gender Pay Gap und den bereinigten Gender Pay Gap. Der unbereinigte Gender Pay Gap setzt die absoluten Bruttostundenverdienste von angestellten Männern und Frauen ins Verhältnis und berechnet den prozentualen Unterschied. Dabei werden Faktoren außen vorgelassen, die die Ursache für die unterschiedliche Bezahlung sein könnten. Dazu gehören unter anderem die Aufteilung nach Branchen und Berufsgruppen, die Ausbildung und Berufserfahrung oder die jeweilige Position. Beim bereinigten Gender Pay Gap wird genau dieser Teil des Verdienstunterschiedes herausgerechnet, der durch strukturelle Unterschiede zwischen den Geschlechtern entsteht. Der bereinigte Gender Pay Gap fällt niedriger aus als der unbereinigte Gender Pay Gap und liegt nach aktuellem Stand von 2014 bei 6 Prozent. Beide Erhebungen basieren hauptsächlich auf Daten aus der vierjährlichen Verdienststrukturerhebung.

Dafür, dass der bereinigte Gender Pay Gap niedriger ist als der unbereinigte, gibt es mehrere Gründe. Diese zeigen, dass der unbereinigte Gender Pay Gap keineswegs falsche Zahlen vermittelt. Zunächst sind traditionell typische Frauenberufe wie Erziehungs-, Pflege- und Gesundheitsberufe schlechter bezahlt als Berufe im technischen Bereich, die meist von Männern ausgeübt werden. Außerdem müssen Frauen ihre Erwerbstätigkeit familienbedingt häufiger als Männer unterbrechen und reduzieren. Um für die Kinder zu sorgen oder sich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern sind viele Frauen in Teilzeit beschäftigt, üben Minijobs aus, oder legen die Arbeit für längere Zeit nieder.

Väter fokussieren sich nach der Geburt sogar mehr auf Beruf und Karriere und die „Sicherung des Lebensunterhalts“, wie eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung ermittelte. Im Gegensatz dazu „reduzieren Frauen ihre Erwerbstätigkeit massiv und dauerhaft und übernehmen die Hauptverantwortung für Kinder und Haushalt.“ Nach längerer Abwesenheit ist der Wiedereinstieg in Vollzeit in den Beruf oft schwer und die Bezahlung schlechter als zuvor. Weiterhin führen die schlechteren Einkommensaussichten für Frauen auch zu einer geringeren Erwerbsneigung, da etwa wenn eine Führungsposition z.B. in einem Aufsichtsgremium angestrebt wird, Frauen signifikant benachteiligt werden.

Frauenanteil in Aufsichtsratspositionen

Seit dem 1. Januar 2016 gilt die feste Geschlechterquote von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen. Nach Inkrafttreten des Gesetzes lässt sich zumindest in den Aufsichtsräten laut Bundesregierung eine Verbesserung feststellen. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 105 börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen lag 2017 bei 27,3 Prozent. Zwei Jahre zuvor betrug dieser noch 22,9 Prozent. In den Vorständen hat sich leider gar nichts getan. Viele Unternehmen verwehren sich weiterhin dem Ziel, mindestens eine Frau im Vorstand zu haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, „dass wir dafür null Verständnis haben“.

Es bleibt noch viel zu tun

Die Notwendigkeit für den Equal Pay Day zeigt, dass es die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern noch nicht gibt. Im fortschrittlichen Deutschland ist die Einkommenskluft laut den vorliegenden Zahlen von 2015 im EU-Vergleich mit am höchsten. Mit 22 Prozent Unterschied ist der Gender-Pay-Gap laut EU-Kommission nur in Tschechien (22,5 Prozent) und Estland (26,9 Prozent) größer als in der Bundesrepublik. Die niedrigsten Werte findet man in Italien und Luxemburg mit jeweils 5,5 Prozent, der EU weite Durchschnitt liegt bei 16,3 Prozent.

Die bisherigen Initiativen wie die Frauenquote für mehr Frauen in Führungspositionen oder das Entgelttransparenzgesetz für mehr Lohngleichheit haben augenscheinlich noch nicht das gesetzte Ziel erreicht, eine berufliche Gleichstellung von Männern und Frauen zu erreichen. Das statistische Bundesamt schreibt zu der unveränderten Einkommenskluft: „Seit 2002 ist der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern fast konstant. Das Ziel der Bundesregierung, den Verdienstabstand bis zum Jahr 2010 auf 15 Prozent zu senken, wurde damit deutlich verfehlt.“

Der Ausbau von Betreuungsangeboten für Kinder ist ein wichtiger Faktor, dem Problem der familienbedingten Erwerbsunterbrechung von Frauen entgegenzuwirken. Die bisherige Bundesfrauenministerin Katarina Barley betont: „Wir müssen dafür sorgen, dass Teilzeitbeschäftigung keinen Karrierekiller mehr darstellt, wenn es um höhere Führungspositionen geht. Auch hier müssen wir die Möglichkeiten verbessern.“

Die EU-Kommission will sich dem Thema ebenfalls verstärkt annehmen und die geschlechterspezifische Lohnlücke bis zum Ende der Amtszeit 2019 schließen. Die Kommission fordert daher alle EU-Mitgliedsstaaten und das Europaparlament auf, zeitnah konkrete Vorschläge umzusetzen. Die EU-Gleichstellungskommissarin Věra Jourová sieht das Thema Gender Pay Gap in einem größeren Zusammenhang. „Die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern muss geschlossen werden, denn wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen ist ihr bester Schutz vor Gewalt.“

Equal Pay Day – jobify wirkt der Benachteiligung bei der Jobsuche entgegen

Mit jobify gehen wir einen entscheidenden Schritt in Richtung der Objektivität und Gleichberechtigung bei Bewerbungen und Gehalt. jobify ist eine Job-Matching-Plattform, welche die Passung zwischen einem Kandidaten und einer Stelle neutral berechnet. Die „gematchten“ Bewerber werden den Unternehmen dabei anonym, ohne Bild und ohne Geschlecht dargestellt. Ein vorzeitiges Auswahlverfahren aufgrund des Geschlechts wird dadurch ausgeschlossen. Wenn die Gehaltsvorstellungen von Bewerber und Unternehmen nicht übereinstimmen, werden beide Seiten darüber informiert. Die Höhe des Gehalts definiert das Unternehmen dabei natürlich für eine Stelle und damit unabhängig davon, ob der Bewerber ein Mann oder eine Frau ist.

Daniela Preis

Daniela Preis (Jahrgang 1993) hat an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt Journalistik studiert und ist unter anderem bei der Bayerischen Staatszeitung in München als freie Mitarbeiterin tätig. Bei jobify betreut sie alle Themen rund um PR und Kommunikation. Mit ihren kreativen Texten und kommunikativen Fähigkeiten trägt sie jobify in die große weite Welt hinaus.

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