iStiftung der deutschen Wirtschaft: Michael Baer über die Bedeutung von Sozialkompetenzen und Praxiserfahrung für den Berufseinstieg

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Von Studierenden wird heutzutage viel erwartet. Sie sollen gute Noten haben, sowohl Fach- als auch Sozialkompetenzen mitbringen, mehrere Sprachen sprechen und am besten schon einige namhafte Praktika absolviert haben, sowie ein Auslandssemester. Studierende sind deshalb um jegliche Unterstützung dankbar, die den Berufseinstieg erleichtert. Das Studienförderwerk Klaus Murmann bietet sowohl finanzielle Fördermöglichkeiten als auch Betreuungsprogramme, um seine Stipendiaten optimal auf den ersten Job vorzubereiten. Michael Baer, Bereichsleitung des Studienförderwerks Klaus Murmann, erklärt im Interview, auf welche Kompetenzen es bei Bewerbungen tatsächlich ankommt. Und wie man auch ohne Förderung frühzeitig die Weichen für den Berufseinstieg stellt.

Martin Grupp: Herr Baer – ­Sie sind seit vielen Jahren als Vorsitzender der Bereichsleitung des Studienförderwerks Klaus Murmann in der Stiftung der deutschen Wirtschaft (sdw) tätig. Als eine der größten Bildungsinstitutionen und Begabten­förderwerke in Deutschland unterstützen Sie aktuell rund 3.500 Schüler, Auszubildende, Studierende und Promovierende. Ihr Leitsatz lautet dabei: „Wir stiften Chancen“. Sie schreiben dazu auf Ihrer Homepage, dass Sie jungen Erwachsenen bestmögliche Voraussetzungen für den Start in ein erfolgreiches und erfüllendes Berufsleben schaffen wollen. Das sind große Ziele! Welche Unterstützungen bietet das Studienförderwerk konkret?

Michael Baer: Schon bei der Auswahl unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten betreiben wir einen großen Aufwand – wir suchen junge Menschen mit Gemeinsinn und Unternehmergeist, die nicht „nur“ gute Leistungen in Schule und Studium mitbringen, sondern auch in ihrem gesellschaftlichen Umfeld etwas bewirken. In diesem Potential fördern wir sie gezielt, indem wir sie in einem spannenden Umfeld (ganz viele Gleichgesinnte!) versammeln. Und ihnen so einen geschützten Raum bieten, etwas Neues auszuprobieren und zu unternehmen.

Zum einen können sie in einer ihrer 45 regionalen Hochschulgruppen eigene Projekte anstoßen und eigene Ideen gemeinsam verfolgen. Zum anderen bieten wir ihnen jährlich über 150 spannende Veranstaltungen zu Schlüsselkompetenzen, Unternehmenseinblicke und Gesellschaftsthemen. Darüber hinaus können sie mit eigenen Projektideen an unseren besonders intensiven Programmen wie „Herausforderung Unternehmertum“ oder „Think Lab Energie – Gesellschaft – Wandel“ teilnehmen.

Durch enge Kontakte mit über 100 Förderunternehmen, die viele dieser Veranstaltungen exklusiv im Rahmen unseres Förderprogramms anbieten, gelingt unseren Stipendiatinnen und Stipendiaten ein „fliegender Start“ ins Berufsleben: Zwei Drittel unserer Absolventinnen und Absolventen, die in der freien Wirtschaft arbeiten, landen bei einem schon aus dem Förderprogramm bekannten Unternehmen.

Nun kann nicht jeder der Studierenden in Deutschland von diesen und vergleichbaren Förderungen profitieren. Was kann ein junger Mensch bereits während seines Studiums beitragen, um sich gute Voraussetzungen für den Berufseinstieg zu schaffen?

Sozialkompetenzen, Allgemeinbildung und vor allem Praxiserfahrungen sind von besonders großer Bedeutung. Wer regelmäßig Praktika absolviert und sich dort engagiert einbringt, der hat – unabhängig von der Fachrichtung – deutlich bessere Chancen beim Berufseinstieg. Wer dann auch noch relevante Kompetenzen aus einem anspruchsvollen Ehrenamt mitbringt, hat zusätzlich noch einen besonderen Pluspunkt.

Mit Ihrem Engagement wollen Sie auf „neue gesellschaftliche Herausforderungen“ und auf die „veränderten Anforderungen an junge Menschen im Berufsleben“ reagieren. Was hat sich Ihrer Meinung nach in den vergangenen Jahren in dieser Hinsicht verändert?

Während früher die Fachexpertise einen deutlich größeren Stellenwert als die Schlüsselkompetenzen hatte, werden diese beiden Punkte von Personalverantwortlichen heute fast gleichrangig gewertet. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Fachexpertise weniger wichtig geworden wäre. Aber bei Einstellungen wird heute eben viel mehr auch auf die Schlüsselkompetenzen geachtet.

Und zwar deshalb, weil die Fachexpertise immer schneller veraltet und sich Menschen im Berufsleben immer schneller in neue Themen einarbeiten müssen. Und das müssen sie in ebenso dynamischen wie volatilen Arbeitsumfeldern mit wechselnden Teams und flachen Hierarchien. Es gibt immer weniger die Möglichkeit anzuordnen, stattdessen wollen Kolleginnen und Kollegen für die Mitarbeit gewonnen und begeistert werden. Nur wer gleichzeitig Verantwortungsträger und Teamplayer ist, kann in diesem Umfeld erfolgreich sein.

Bei einem großen Angebot an möglichen Arbeitgebern und Stellen sowie teilweise sehr generalistischen Studiengängen kann es mitunter sehr schwer sein, herauszufinden, welcher Job und welcher Arbeitgeber am besten zu einem passen. Wir bei jobify versuchen genau an dieser Stelle mit unserem Matching-Algorithmus zu unterstützen. Haben Sie aus Ihren Erfahrungen mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten der sdw eine Empfehlung, wie man sich als Student oder Berufseinsteiger am besten orientiert?

Als junger Mensch sollte man sich zunächst einmal nicht verrückt machen. Die Welt steht einem offen und die jetzigen Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen stehen stellvertretend für die am besten ausgebildete Generation jemals. Natürlich gibt es inzwischen auch viele Berufsorientierungsangebote, allerdings muss man dafür selbst aktiv werden und „dranbleiben“. Auf die eigenen Stärken achten, neugierig bleiben, sich Rat(geber) suchen und Chancen nutzen – das zahlt sich langfristig aus!

Sie arbeiten mit der sdw auch mit vielen Unternehmen und Verbänden eng zusammen. Worauf sollte man bei seiner Bewerbung und seinem Lebenslauf achten, um Personalern positiv aufzufallen?

Kurz zusammengefasst suchen Unternehmer und Personaler zusätzlich zur Fachexpertise genau das, was ich vorhin schon sagte: Sozialkompetenz und Praxiserfahrung. Dies gelingt am besten über Praktika und Ehrenämter. Wer hier Konkretes vorweisen kann, wird auch zum Vorstellungsgespräch eingeladen und kann dort dann auch mit Wissen und Kompetenzen überzeugen.

 

 

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Martin Grupp

Martin Grupp ist Geschäftsführer von jobify und bereichert den Blog mit interessanten Beiträgen.

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